Rastertherapie

Oder Aus-Raster-Therapie?

Ich möchte jedenfalls aus-rasten, wenn ich lese, was Herr Spahn sich jetzt schon wieder hat einfallen lassen, um uns das Leben zur Hölle zu machen.
Uns als Betroffene von Gewalt, und eigentlich allen Menschen mit psychischen Erkrankungen.

Man wehrt sich hier:
Bitte unterzeichnet die Petition mit.
Sei es als selbst Betroffene, Therapie in Anspruch-Nehmende oder als Zeichen der Solidarität.
Und nicht zuletzt: jeder von uns kann mal in die Situation geraten und Hilfe benötigen..
Danke

Link zur Petition


Jetzt kommen wir mal auf unsere Sicht und ein paar Links.
Es ist einfach unfassbar. Unfassbar sowieso, dass Individualität nirgendwo mehr zu zählen schient. Wir gewöhnen uns nach und nach mehr oder weniger an gendergerechte Sprache, daran, dass sich Liebe in alle Himmelsrichtungen verteilen kann. Na gut. Mancher wohl zähneknirschend.

Jetzt will aber einfach ein Raster gebastelt, imaginiert werden, nach wie viel Zeit ein Mensch mit einer psychischen Erkrankung geheilt sein muss. Und wenn nicht? Naja Pech gehabt. Hast dich wohl nicht genug angestrengt, oder wie?

Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen: 20 Stunden für Depressionen, 15 Stunden für Burn Out.
Danke für nichts!
20 Stunden für eine potenziell tödliche Erkrankung!
Aber ein Suizid kommt die Regierung natürlich deutlich billiger.
Sorry. Aber ist doch wahr!
20 Stunden- wenn man noch bedenken muss, das auch erstmal ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden muss, eine therapeutische Beziehung etabliert werden muss.
Psychotherapie ist nicht wie Mathe. 1+1 gleich fertig…Habs.

Den Therapeut.inn.en wird auch damit mehr oder minder schlechte Arbeit unterstellt. Als würde sie Behandlungen in die Länge ziehen, damit sie weiter Geld verdienen. Das ist schon ganz schön böse!
Als würden nicht mehr als genug Menschen in Not auf einen Platz warten, die deren Einkommen ohnehin sicher stellen..
Selbst wenn man bedenkt, dass einige unfähige Therapeuten auf dem Markt rumlaufen ….

Keine Frage, die Masse an Menschen mit psychischen Problemen nimmt zu. Aber woran mag das wohl liegen?
*rhetorische Frage, wir wissen alle, dass unsere Gesellschaft und der gesamte Leistungsdruck und Stigmatisierungen, Mobbing, Hate, Rassismus, Corona hat auch nicht gerade die Situation verbessert….. und so weiter….
schon mehr als genug Menschen krank macht.
Traumafolgestörungen werden auch immer häufiger bekannt. Gewalt unter den Teppich gekehrt, Täter oftmals nur mit einem wackelnden Zeigefinger bestraft und Opfer-Blaming betrieben.

Jetzt soll aber die Nachfrage für Therapie nicht das Angebot steuern. nein. Wo kämen wir denn da hin? Das könnte unser Gesundheitswesen echt zu viel Geld kosten, wenn man mehr Kassensitze für Therapeut.inn.en schaffen würde.
Lieber doch die Zeit begrenzen, noch mehr Druck aufbauen und die Menschen dann wieder alleine lassen.
Ätschibätsch.
Das ist ein Muster, das kennen wir ja eigentlich sowieso schon.
Weil finde mal adäquate Hilfe, ne?
Aber das treibt die Frechheit hier den Mount Everest hoch.

Den Therapeuten wird nicht getraut, wenn sie sagen, tja das dauert eben.
Nein, sie müssen die Patienten im Eilverfahren „heil“ machen. Ach nee tschuldige- nur wieder in das gesellschaftliche Korsett pressen, damit alles wieder tutti aussieht. Weil von Heilung kann in so kurzer Zeit wohl eher keine Rede sein.

Den Patienten wird mangelde Kooperation unterstellt, die wollen ja nur nicht, dass es ihnen schnell besser geht, was?
Selbst Schuld.

Komischerweise gibt es das in der Somatik so nicht.
Da schreibt uns noch keiner vor, wie lange unsere Erkältung dauern darf, wie lange es dauern darf bis entweder der krebs geheilt ist oder man bitteschön (um Kosten zu sparen) zu versterben hat.
Sorry, ja ich weiß…das ist böse. Aber so kommt es mir in den Sinn.
Aber wir wollen Herrn Spahn ja nicht jetzt auch noch auf Ideen bringen, nicht wahr? 🤫

Ein Beispiel:
Wir hatten mal eine Herzrhythmusstörung. Die wurde abladiert (verödet) mittels Herzkathetheruntersuchung.
Kostenpunkt: 50.000 Euro. Für einen Eingriff, der etwa 1 Stunde gedauert hat.
Da hat der Kardiologe gesagt, „Ok das machen wir jetzt“ und keiner kam vorbei und musste erstmal Wochen- und Monatelang prüfen, ob der Arzt denn seine Arbeit korrekt gemacht hat, ob die Diagnose stimmt, ob das denn unbedingt sein muss. Und keiner hat während des Eingriffs mit der Stoppuhr daneben gestanden und gefragt, ob das nicht noch ein bisschen schneller ginge.
Sorry nein ich beschwere mich nicht darüber- ich ziehe nur einen Vergleich!
Da kam auch keiner von der KK und hat gesagt, na komm, so schlimm ist die HRS nicht, du stirbst daran nicht, müssen wir diesen teuren Eingriff denn wirklich machen lassen? Kannst du dich nicht ein bisschen zusammenreißen?

Warum haben Mediziner.innen denn so viel mehr zu sagen, als Therapeut.inn.en?
Warum dürfen die das frei entscheiden, was nötig ist und die Therapeuten nicht?
Die haben ihre Arbeit auch gelernt, die haben auch studiert!
Aber neeein da gehts um „unsichtbare Güter“, oder was?
Ist doch alles nur Labern. Ist wie Kunstunterricht in der 2. Klasse. Liegt alles im Auge des Betrachters….
Ist fast nichts wert.

Natürlich abgesehen davon, dass Therapie auch LEBEN rettet!
Aber who cares?

Und mal ganz ehrlich, für Menschen wie uns, die Jahre/Jahrzehntelang Gewalt erfahren haben, sind die derzeit vorgesehenen Stunden schon nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Es wird einfach nur immer absurder. Trauriger. Hoffnungsloser.
Für mich ist das auch ein Angriff auf die Menschenwürde.


Mehr links?
Na klar
Eins, Zwei,


15 Kommentare zu „Rastertherapie

  1. Das ist gut,dass ihr drauf aufmerksam macht . Ich bin auch echt mega sauer darüber über so viel ignoranz ..ich hab auch Petition schon unterschrieben und geteilt an jeden den es interessieren könnte oder auch Wurst ist 😉. Im Moment kommt man aus dem kotzen müssen über alles gar nicht mehr raus ..

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  2. Ihr habt das so gut auf den Punkt getroffen, liebe Lunis. Wir haben bei Sofies viele Welten schon kommentiert, dass uns das zwar nur am Rande betreffen wird, weil privat versichert (und nein, das ist kein wirkliches Glück im vgl zur gesetzlichen, auch wenn das immer noch viel behauptet wird – also für uns hat es bisher eher Nach-als Vorteile gebracht) ABER auch da sind die Stunden deutlich begrenzt und die werden sich ja schließlich anpassen. Und selbst wenn nicht ist es einfach allen Menschen, die Therapie benötigen gegenüber sowas von unfair und man kann einfach nicht sagen Diagnose xy ist Stunden z zu behandeln. Es wird nicht funktionieren. Bei einigen wenigen wird es vielleicht klappen, aber selbst wenn, dann gehen die auch jetzt vielleicht nur 10-15mal zur Therapie. Ich glaube kaum, dass es bei der Menge hilfesuchender Menschen, arg viele Therapeuten gibt, die ihre Patienten so viel länger als nötig behalten. Vor allem wenn man überlegt, dass jede Verlängerung einen Haufen Antragszeug mit sich bringt. Aber man kann als Politiker so wunderbar versprechen dass mehr Menschen versorgt werden können, weil ja in der Zeit wo jemand aktuell mit Depressionen behandelt werden können, dann ggf 2-3Leute einen Therapieplatz kriegen… Ja, so kann man sich toll hinstellen.
    Mit DIS wird man dann vielleicht 50-60 Stunden bekommen oder so – ich weiß nicht ob ich schreien, heulen oder kotzen soll. Am Besten alles gleichzeitig. Und ein wenig eskalieren…
    Ist ja nicht so, als müssten jetzt nicht schon genug für ihre Stunden kämpfen oder sich verarmen.
    Ich möchte ja eigentlich niemandem was schlechtes wünschen, aber jemanden wie Herrn Spahn wünsche ich dann doch eine schwere Depression o.ä. Die dann natürlich in 20 Stunden behandelt werden muss – grrr

    Gefällt 3 Personen

  3. Ehrlich gesagt finde ich das nicht im geringsten böse.
    Leider, leider ist es traurige Realität.
    Obwohl…
    Gabs da nicht mal einen (jungen) Politiker, der meinte, Alte sollte keinen Anspruch mehr haben auf – was wars doch gleich? – eine neue Hüfte?
    Lohnt sich eh nich mehr.
    Irgendwie so.

    Tja, zum Glück für die KK (und DAS is jetze wirklich böse!) isser schon mit 35 Jahren gestorben und konnte so seine kruden Theorien nich mehr am eigenen Leib erproben…
    Schade eigentlich.

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  4. Danke dass ihr den Link eingefügt habt. Wir hatten gestern schon unterschrieben und in unserem Beitrag den Link zur Petition vergessen.
    Fakt ist, dass wir im Laufe der Jahre immer mehr Hilfen gestrichen bekamen- persönliche Betreuung, Kunsttherapie. Und das wird so weiter gehen, weil wir keine Autos bauen und keine Profifußballer sind.
    In diesem Staat sind die Prioritäten erkennbar eindeutig gesetzt.
    Fehlt nur noch ein Gesetz zur Abschiebung in ein 8 qm Zimmer im Heim oder Bonus für „freiwilliges“ Ableben.
    Da bleiben nur noch Sarkasmus oder Resignation.

    Gefällt 4 Personen

  5. Den Vergleich mit „es steht auch keiner bei einer Blinddarm-OP neben dran und sagt, joah, jetzt sind wir aber fertig, näht mal zu“ haben wir schon häufiger gesehen.
    Der fällt uns jedes Mal neu ein, wenn wir für unsere Arbeit notieren, wie lange eine Operation gedauert hat. Oder wenn eine Operation doppelt so lange dauert wie sonst, weil es zu einer überraschenden Blutung kam…
    Tja: das kann man dann gut vergleichen mit jemandem, der „nur“ mit Depression zum Therapeuten geht, und während der laufenden Therapie Trauma erlebt. Zum Beispiel.
    – Oder ein Einleitungsversuch bei Geburten… das kann im worst case schon mal über anderthalb Tage gehen, und niemand steht da und sagt, „Mensch Heinz, dat jeht so nich, mach da doch mal wat, dat Bett muss doch frei werden!“, solange es nicht *notwendig* ist/die Patientin es *möchte*.

    Auf der anderen Seite: das „schnell schnell“ und „Hauptsache, ökonomisch gut“ (hahahaha.) beherrscht mittlerweile das gesamte Gesundheitssystem. Leider. Und jetzt wollen sie eben einen Schritt weiter gehen.

    Ich will nicht wissen, wieviele Menschen weiter abgehängt werden dadurch, weil sie sich Zusatzangebote, Weiterführung der Therapie et cetera nicht leisten können. Und die Psychotherapeut:innen (oder die in Ausbildung) im Freundeskreis schlagen auch nur die Hände über den Kopf…

    Gefällt 5 Personen

      1. Solche Ärzte gibt es, ja… Bei uns gibt es sekundäre sectios (also Kaiserschnitt, wenn‘s „normal“ nicht klappt) zum Glück im Normalfall erst, wenn die Patientin erschöpft ist, selbst darum bittet, man das Maximum an Schmerzmittelgabe erreicht hat etc pp, oder eine vaginale Geburt aufgrund von Fehlstellungen etc. nicht möglich ist. Oder wie mein Chef heute meinte: „na, zum Glück haben wir mehr Vaginalgeburten als sectios auf Station, sonst würden wir unseren Job nicht richtig machen“.

        Ich will ja nicht fies sein, nä. Aber ich habe vom Spahn bisher NICHTS. absolut NICHTS. gehört, was ich unterstützen könnte. Muss man auch erstmal schaffen *kopfversustisch

        Gefällt 4 Personen

        1. hat er nicht das gesetz gegen die konversions“therapie“(„heilung“ von homosexualität) auf den weg gebracht?! da hatte ich noch hoffnung, selbst für einen cdu ler.
          aber naja, wenns einen nicht selber betrifft…

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  6. Wenn das durchkommt, flipp ich so aus. Ich hab mich eh schon oft genug drüber aufgeregt, dass für VT bspw. max. 80 Std. Angesetzt ist. Aber gut, ich dachte, vielleicht wird da in Zukunft mal ein Schritt in die richtige Richtung gemacht. Stattdessen nun das genaue Gegenteil. Ist doch zum …

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