Hunger/Vernachlässigung

Wieder ein Dominostein aus dem vorhergegangenen Eintrag.

Hunger haben wir in unserer Kindheit phasenweise wirklich dauernd gehabt.
Eine Mutter, die nicht aufsteht, nicht kocht, nicht einkauft und das Kind in seinem Zimmer verbarrikadiert. Nichts zu essen. Wenn man Glück hat, mit Wasser aber das löst das Problem mit dem „zum Klo müssen“ dann am Ende nicht.
Und eine Pfütze im Kinderzimmer konnte aus einer gleichgültigen Frau eine Furie machen.
Schlimm schlimm wenn ein kleiner Mensch menschliche Bedürfnisse hat.

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Zombieversion

And if you offer me everything you have – I still want more“
(Torben Wendt, Diorama)

Derzeit sind unsere Termine zur Thera nur alle 2 Wochen. Ich höre dann immer „Nächste Woche kriege ich sie nicht unter“.
Es ist schwer und manchmal denke ich „dann lieber gar nicht“.
Ich kriege das nicht geregelt. Am schlimmsten war es zuletzt bei der Krankheit der Therapeutin. Es ist so so so viel offen. Und eigentlich gehen wir in der Therapie in die Tiefe damit wir nicht mehr alle, jeder für sich, allein sind mit unserem Mist.
Aber natürlich kommen wir dem Grauen damit näher und näher. Und dann muss man das irgendwie verpacken um im Alltag zurecht zu kommen.

Irgendwie habe ich aber immer das Gefühl, ich bin schlimmer als Frankensteins Braut. Zerrissen, zerstückelt, zerfetzt. Dann flickt man sich allein irgendwie zusammen, das was aufgerissen wurde. Dilettantische Nähte. Weitermachen. Dissoziieren. Weitermachen.
Und neue Dinge tauchen auf. Selbes Spiel von vorn.
Irgendwas ist ja immer, oder?

Aber bei allem Elend kann ich nur sagen, dass das alles nur die Zombieversion der Wahrheit ist.

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Ritualisierte Zweifel Log #4

Wer in Kreisen der organisierten und ritualisierten Gewalt aufwächst, lernt von den Tätern, was er glauben darf und was nicht. Früh wird festgelegt, welche Gedanken zulässig oder völlig abzulehnen sind. Das Kind wird qualvoll darauf trainiert, sich bei unerwünschten kognitiven Vorgängen „richtig“ zu verhalten. Wirkliches Erinnern zählt mit Sicherheit zu den Komponenten die diese Verbrecher mit allen Mitteln zu verhindern versuchen. Die Bandbreite der Programmierungen, die darauf abzielen, ist groß. Eine Schlüsselposition nehmen dabei die „inneren Zweifler“ ein. Unter Qualen haben sie ihren Job gelernt. Sie führen ihn meist bis weit in die Therapie mit Perfektion aus. Oft genug liegt unter ihrem beständigen Hinterfragen der Erinnerungen der gesamte Entwicklungsprozess lahm. In der Kindheit mussten die heutigen Innenpersonen immer wieder nach versteckten Schlüsseln bei den Tätern Ausschau halten, die Ihnen intuitiv verrieten was sie glauben dürfen.
Das machen sie später auch bei den Unterstützern. Sie könnten ja verdeckt zu der Tätergruppe gehören und sie nur testen wollen. Das wäre gefährlich! Stellen die „Zweifler“ die „Glaubensfrage“ in der Therapie geht es deshalb oftmals nicht um die Validierung der Erinnerungen, sondern um eine Einschätzung, wie sie ihre Arbeit machen sollen. Das wollen sie von der Therapeutin wissen. Denn sie entscheiden das nicht selbst. Sie erwarten eine Anweisung. Die Therapeutin tut gut daran, keine Anweisungen zu erteilen. Dann nämlich stellt sie sich auf Täterebene! Für Überlebende bedeutet es eine Menge Arbeit zu lernen, dass sie nach dem Ausstieg letztlich selbst entscheiden dürfen, was ihre Wahrheit ist.

 

Schreibt Sofie auf ihrem Blog.

Und ich greife das auf im Zusammenhang mit den „Logs“ zwischen G und uns. (Mittlerweile private Beiträge, Sorry)
Ich persönlich habe den Eindruck, dass er zu dem gemacht wurde, wer er ist.
Konditoniert? Programmiert?
Denn er dreht immer die gleichen Kreise. Es gibt innerhalb kaum Veränderung.
Sind Erinnerungen aufgetaucht und nahe, taucht er (G.) auf und zweifelt an allem herum. Er, der Schauspieler. Er, der Zweifeler. Derjenige mit der guten und heilen Vergangenheit.
Es ist jedesmal das selbe Spiel. Er taucht auf, fragt und zweifelt, sucht nach Beweisen.
Macht uns irre weil die Zweifel gestreut werden wie Konfetti. Bloß nicht einatmen!
Macht unsere Therapeutin verrückt. Immer wieder die gleichen zermürbenden Begründungen und an den Haaren herbeigezogenen „100 gute Gründe warum ich nicht Multi sein kann“.
Und unversehends taucht er wieder ab. Bis zum nächsten Mal.
Bei ihm gibt es keine Entwicklung von Dauer. Nach dem Abtauchen scheint es eine Art Reset zu geben.
Alles beginnt von vorn. Automatisiert, ritualisiert. Immer das gleiche.
Und ich glaube einen Hauch Verzweiflung zu sehen, wenn er mit seinen Zweifeln nicht mehr weiterkommt.
Er erhofft sich immer wieder, dass Mitmenschen und Helfer aufatmen und sich freuen darüber, dass das Grauen gelogen ist und sein Geständnis über sein Schauspiel akzeptieren und sich dann endlich von ihm abwenden.
Bitte bitte glaube mir das ich lüge! Nichts davon ist je geschehen!
Und die Verzweiflung weil der Glauben unserer Helfer und engsten Mitmenschen größer ist. Seine Welt steht Kopf. Und dann verschwindet er. Bis er wieder bei Null anfängt.
Ich kann nicht mal den Finger drauf legen, bei welchen Erinnerungen und Gelegenheiten er dann wieder aufgerufen wird.

Aber nach allem, was ich weiß gibt es bei ihm aber auch keine Erinnerungen daran, dass ihm so etwas eingeimpft wurde. Wie ist das also möglich?
So ein Training ginge doch nicht spurlos an ihm vorbei?
Sagt er uns nichts davon? Kommt nichts davon zu uns durch? Erinnert er es selbst nicht? Abgespalten auf jemand anderen?

Fragen über Fragen. Und keine richtige Antwort. Keine Schlüsselerinnerung dazu. Nichts

Ekel

Komisches Wort. Da so geschrieben. Schaut falsch aus.

Derzeit ekele ich mich vor mir selbst.
Um es genau zu sagen: Ich ekel mich zu Tode.

Nur die Vorstellung, das näherkommende, gefühlte 😱Bruchstück des Wissens, dass viele, sehr viele „Menschen“ (in Ermangelung eines besseren Wortes) über diesen Körper drübergerutscht sind.

Ich ekele mich vor mir selbst und habe das Gefühl alles und jeden zu kontaminieren.
Fass mich nicht an, ich bin eklig.

Ich habe das dringende Bedürfnis weg zu laufen. Weit weit weg. Von allen, die mir lieb sind. Ich muss weg. Ich bin widerlich, eine Zumutung.
Schmutzig, besudelt, krank, abartig.

Realität

Was ist Realität?
Wo beginnt sie? Wo endet sie?
Was ist Realität wenn man Dinge riecht und spürt, die jetzt nicht da sind?

Geruchsflashbacks, Körpererinnerungsschmerzen, Ekel….

Alles alt. Kommt hochgekrochen aus den Untiefen der Erinnerung, Äonen alt? Oder erst von Gestern?
Wer weiß das schon?

Was ist denn sonst Realität wenn nicht das, was du gerade denkst und fühlst und atmest Weiterlesen „Realität“

Unfair, Zynisch, Gemein & Der inflationäre Gebrauch des Wortes „Trauma“

Darf ich? Darf ich? Darf ich?

Auch mal einmal gemein sein? Und zynisch?
Es gibt so fiese Gedanken, die einem manchmal in den Kopf kommen und die man aus Rücksicht auf andere Menschen nicht ausspricht.
Und die meisten von uns wollen ja auch nett sein und hilfreich und stark und toll und weiß der Geier was alles noch.

ICH bin aber nicht nett. Ich bin ehrlich. Naja ok meine Sichtweise ist manchmal eingeschränkt. Aber manchmal bin ich einfach auch nur mal eine Runde pissig.
Und dann tuts gut, sich einfach mal eine Runde auszukotzen.
Was ich hiermit tue.

Und ganz wichtig vorab: Unsere lieben Freundinnen: Ich meine NIEMANDEN VON EUCH!

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Rausgehen

Es gibt so Tage…da ist das Wetter schön. Da drängt es, rausgehen, lass uns rausgehen.
Unser Mann natürlich mit dabei.
Denken, überlegen. Was nur? Wohin nur?
Und dann fängt es an, doof zu werden.
Ich mag das nicht.
Stundenlanges:
Wohin? Dorthin? An den See? Ach langweilig, da waren wir schon so oft. Dorthin, in den Park? Ach so weit?
Dorthin vielleicht? Ja könnte man aber….wie sind denn da die Wege? Ich habe so ultrawenig Lust durch die Gegend zu kutschen und dann festzustellen, dass ich meinen Rolli über einen kaum befahrbaren Kiesweg schubsen muss. Da komme ich keine drei Meter weit, Spaß macht das nicht, frustriert nur und der Tag ist mitsamt der Laune im Eimer.

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Todesangst damals und heute

Nichts für schwache Nerven. Vor allem zum Ende hin. Passt auf euch auf!

Ein normaler Tag. Nichts aufregendes passiert, nichts aufregendes gemacht.
Der Tag klingt aus. Gemütliches auf dem Sofa sitzen und gemeinsam mit dem Mann lesen.
Plötzlich erscheint aus dem Nichts eine etwa 1 Cent Stück große Quaddel auf dem Unterarm.
Kennen wir prinzipiell schon. Das Quaddelproblem haben wir nun seit mehr als 3 Jahren. Chronische Nesselsucht.
Es ist besser gworden – das erste halbe Jahr kamen sie im Rudel. Es war beängstigend und juckt ziemlich böse.
Aber eine so große? Immer wieder sitzt uns die Angst im Nacken. Immer wieder, bei kleinsten Anzeichen fährt das Kopfkino an und läuft immer auf Todesängste hinaus.
In unserem Kopf zeigt die Quaddel nur, dass bald der ganze Körper davon übersät sein könnte, der Hals zuschwillt und niemand uns retten kann.

Ersticken ist hier schon so ziemlich an erster Stelle was Panik angeht. In allen Variationen. Kopfkino: Der Hals schwillt zu durch Allergien, man erstickt an einem Bissen Essen, Asthma-Angst und so weiter.

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Das Kind ist komisch…

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Kennt ihr das auch?
Seid und wart ihr auch immer die „komischen“, seltsamen Menschen? Damals Kinder?

Es schien bei uns auf Familienfeiern eine Art Wettbewerb zu geben. Immer wurde gelästert über die seltsamen Kinder.

Also gelinde gesagt, hatten auch all unsere Cousins und Cousinen einen „an der Waffel“. Jeder hatte schon in Kinderzeiten auffällige psychische Störungen. Sei es Esssucht, Magersucht, Waschzwänge, eine Neigung zu Exhibitionismus, Bettnässen…

Auf den besagten Feiern tauschten sich dann die Mütter aus.
Frei nach dem Motto „Weißt du was meine schon wieder getan hat?“

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